Möglichkeiten und Potentiale von Sozialen Medien (Social Media) für Forscherinnen und Forscher
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[11.04.13 , 19:58 von marugru]

Teil 1

Soziale Medien haben die Art und Weise der Interaktion im Internet verändert und neue Möglichkeiten der Beteiligung und Partizipation eröffnet. Einige von Euch werden sich noch an die Anfänge des Web2.0 erinnern: eigene Fotos wurden online gestellt und geteilt, Diskussionsforen und Chats wurden intensiv benutzt und eigene Wikis oder Weblogs betrieben. Das „Mitmach-Web“ war geboren!

Soziale Medien haben viele Lebens- und Arbeitsbereiche verändert und erneuert. Einer dieser Bereiche ist die Forschung. Viele Forscherinnen und Forscher benutzen Web2.0-Dienste und -Werkzeuge für ihre Arbeit. Beispielsweise wird die Online-Präsenz in sozialen Netzwerken dazu genutzt, sich in der Fach-Community zu präsentieren und zu vernetzen, sich untereinander auszutauschen und Inhalte wie Ausschreibungen, Konferenzankündigungen oder Publikationen zu teilen. Weblogs werden z. B. als Publikationsmedium eingesetzt, mit dem sich Forschende schnell und ohne grossen Aufwand online Sichtbarkeit und „Gehör“ verschaffen.

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[Social Media]

Teach-In revisited: „Camps“ als neue Form wissenschaftlicher Tagungen
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[02.04.13 , 15:12 von stkeller]

Veränderung der Publikationsformen durch E-Books, Online-Zeitschriften und Open Access, Intensivierung und Globalisierung der Kommunikation durch Social Media-Instrumente, Zunahme kollaborativer Arbeitsformen durch die Technologien des Web 2.0 wie Blogs und Wikis, Zunahme der Interaktivität durch E-Learning – die diskutierten und manifesten Auswirkungen der Internet-Technologie und des World Wide Web auf die akademische Welt in Forschung und Lehre sind so vielfältig und wie herausfordernd.
Meist bleibt aber unerwähnt, dass auch eines der traditionellsten Rituale der wissenschaftlichen Welt durch die Neuen Medien in Bewegung gerät: die wissenschaftliche Tagung. Inspiriert durch den Geist von Web 2.0 und Social Media, beginnen sog. „Camps“ als neue Konferenz-Form auch die Welt der Wissenschaften zu erobern. Diese Entwicklung birgt das Potenzial in sich, die paradoxerweise an den Rand gedrängte Interaktivität und Kommunikation wieder ins Zentrum wissenschaftlicher Tagungen zu rücken.
Der Gang zu Tagungen und Konferenzen gehört zu den Haupttätigkeiten eines jeden Wissenschaftlers. Solche Besuche sind für die wissenschaftliche Karrierebildung genauso zentral wie das Publizieren in den einschlägigen Zeitschriften – wer Karriere machen will, muss auf möglichst vielen Tagungen Präsenz markieren. Diese sind zudem stark hierarchisch strukturiert: In manchen Wissenschaftsbereichen gleichen einige davon Initiationsritualen, durch welche junge aufstrebende Wissenschaftler von den etablierten Cracks geschleust werden, um sie auf ihre Tauglichkeit zu prüfen. Manche dieser Tagungen haben eine Tradition von weit über 100 Jahren, viele davon wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts im Zuge der Etablierung der modernen Wissenschaftswelt ins Leben gerufen und bestehen bis heute in kaum veränderter Form.
Das Paradoxe daran ist, dass infolge dieser rituellen Handlungen der kommunikative Aspekt, der doch im Vordergrund stehen sollte, ins Abseits gedrängt wird. Einerseits ist die Tagung aufgrund der hierarchischen Struktur von starker Zensur geprägt – niemand will sich durch unbedachte Äusserungen oder durch ein aufmüpfiges Referat die Karrierechancen vermiesen. Die Tagungen bestehen andererseits in der Regel aus einer Reihe von mehr oder minder lückenlos aneinandergereihten Referaten. Für Diskussion bleibt in der Regel wenig bis gar keine Zeit bzw. muss diese in die Kaffeepause verlegt werden. Last but not least handelt es sich bei den Referatsgrundlagen meist auch noch um einen Fliesstext, der für den geplanten Tagungsband geschrieben und nicht für ein mündliches Referat gedacht war. Somit bestehen viele dieser Event aus einer Reihe von für alle Beteiligten ermüdenden Selbstdarstellungsritualen: „Ein Vortrag wird doch nicht für die da im Plenum gehalten! Er ist ein selbstreferenzieller Akt der Wissenschaftsgemeinde, der nur auf sich selbst verweist und alles sein darf – nur nicht lebendig und unterhaltsam. Also lesen, was das Zeug hält, viergliedrige Satzungeheuer, mit Einschüben, Semikola und Parenthesen“, ärgert sich z.B. der bekannte Münsteraner Rechtswissenschaftler Thomas Hoeren in Spiegel-Online.
Seit einigen Jahren nun breiten sich aber neue Formen wissenschaftlicher Tagungen aus, die stark vom Demokratisierungsgedanken des Web 2.0 geprägt sind. Interessanterweise fand die erste solche Tagung – ein sog. BarCamp – 2004 statt, also exakt im selben Jahr, in welchem Tim O’Reillys geflügeltes Wort des Web 2.0 weltweit Verbreitung fand. Ursprünglich stammt die Camp-Idee aus Kalifornien aus dem Bereich der neuesten Trends in der Informationstechnologie (Web-Applikationen, open source-Technologien, social software und offene Dateiformate). Mit der Charakterisierung als „user-generated conference“ wird erstens diese Verbindung mit der Idee des Web 2.0 explizit gemacht. Der ebenfalls zur Charakterisierung solcher Tagungsformen eingesetzte Begriff der „Unconference“ macht zweitens klar, von was sich die Erfinder der Camp-Idee absetzen wollen: von der klassischen starr strukturierten, hierarchischen Tagungsform in der Form aneinandergereihter Referate hin zu einer offenen, spontanen, kreativen Diskussion unter Gleichberechtigten zu Themen, die von einer Mehrheit der TeilnehmerInnen als wichtig erachtet wurden .
Un-Conferences zeichnen sich dadurch aus, dass jeder, der mitmachen will, Vorschläge für sog. „Sessions“ einbringen kann, entweder im Vorfeld oder direkt an der Tagung. Ablauf und Inhalte werden von den TeilnehmerInnen hauptsächlich im Tagungsverlauf selbst entwickelt. Grundsätzlich steht die Diskussion im Vordergrund; zentral dabei ist auch, dass in den Sessions alle TeilnehmerInnen von Beginn weg aktiv teilnehmen und nicht zur passiven Rezeption gezwungen sind.
Die Camp-Idee hat in den letzten Jahren weltweit in allen Bereichen der Gesellschaft starke Verbreitung gefunden, auch in der Wissenschaft; inzwischen gib es unzählige davon. Nur schon im deutschsprachigen Raum – in einer Zusammenstellung werden für das Jahr 2013 29 verschiedene Camps aufgezählt.
An dieser Stelle sei hier nur auf zwei solcher Camp-Formen in der Wissenschaft verwiesen, an denen ich selber teilgenommen habe. Beide werden von Gruppierungen durchgeführt, die eine besondere Affinität zu Informations- und Kommunikationstechnologien aufweisen: das EduCamp von Medien- und Kommunikationswissenschaftlern und das THATCamp aus dem Bereich der Digital Humanities. EduCamps werden weltweit seit 2007 durchgeführt, im deutschsprachigen Raum seit 2008. Das THATCamp (The Humanities and Technology Camp) ist eine Initiative des Center for History and New Media der George-Mason-University in Virgina (USA) und existiert seit 2008. Unterdessen finden THATCamps überall auf der Welt statt (http://thatcamp.org/). Auch diese Tagungsform ist eine Un-Conference wie das EduCamp, doch zusätzlich werden sog. BootSessions angeboten, vorab festgelegte thematische Slots mit geladenen Gästen.
Beide Camp-Formen sind vor und während der Tagung stark durch den Einsatz von Web 2.0-Technologien und Social Meda geprägt: Vor einem EduCamp etwa wird zum Zwecke des Community-Building eine Kommunikationsplattform eingesetzt (http://educamp.mixxt.de/). Dort können Details wie Anreise oder Unterkunft geklärt werden. Die Plattform bietet auch die Möglichkeit, Themenvorschläge für Sessions zu posten und zu prüfen, wie diese von der Community im Vorfeld aufgenommen werden. Während der Tagung kommen Social Media-Instrumente wie Twitter zum Einsatz. Der Einsatz von Twitter an Tagungen ist umstritten, persönlich habe ich ihn als bereichernd erlebt: da man nie an allen Sessions gleichzeitig teilnehmen kann, geben Tweets die Möglichkeit mitzuerleben bzw. nachzuvollziehen, was in anderen Sessions geschieht und sie ermöglichen es gleichzeitig auch, mit den Urherbern der Tweets, falls gewünscht, in Kontakt zu treten. Auch und besonders dann, wenn man selber nicht an der Konferenz teilnehmen kann. Als sehr sinnvoll und bereichernd kann auch der Einsatz von kollaborativen Online-Schreibwerkzeugen (z.B. Piratepad.net) zu Dokumentationszwecken betrachtet werden. Insgesamt ist ein solches Camp ein kommunikativ-kreatives Ereignis, welches sehr motivierend wirkt und in dem man schnell mit anderen Teilnehmern in eine aktive Diskussion tritt; ihr akademischer Grad spielt dabei keine Rolle. Amanda French, die regionale THATCamp-Koordinatorin am CHNM, beschreibt die Erfahrung einer Unkonferenz mit einem „höheren Grad von intellektuellem Engagement verglichen mit einer traditionellen wissenschaftlichen Konferenz“.
Zu beobachten ist, dass im deutschsprachigen Raum die Mehrzahl der Besucher Studenten oder Angehörige des Mittelbaus sind. Professoren und Professorinnen, v.a. von den klassischen Universitäten sind kaum oder gar nicht anzutreffen. Der traditionelle Wissenschaftsbetrieb wurden von den neuen Tagungsformen noch nicht erfasst – das liegt wohl nicht zuletzt im expliziten Versuch der Camps, hierarchische Strukturen des Wissenschaftsbetriebes aufzubrechen. In diesem Versuch erinnern sie an die universitären Teach-Ins der 1960er Jahre. Beide Aktionsformen verfolgen beinahe identische Zielsetzungen vor dem explizit formulierten ideologischen Hintergrund des Wunsches nach Demokratisierung und grösserer Partizipation.

[Conference, Kommunikation, Social Media]

Science 2.0 – theory, culture, practice, politics
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[19.11.12 , 16:18 von admin]

The Special Interest Group at Switch, a Swiss based university IT-provider, has been founded be its chairwoman, Ricarda Reimer, in 2011. The members of the group share a lively interest in a subject that is as much object of their research as it is daily practice: Science 2.0 – science in the age of internet 2.0. In our blog-role we would like to share some of our experiences, debates, insights and research results, and at the same time further animate a debate with and among our peers. We are convinced that science 2.0 is as much relevant for a theory of science as it is for our daily practice in doing science, for our culture of being scientist in the age of 2.0 – and that science 2.0 has strong political implications as it is based on the conviction of and allows for a free access to knowledge.

I would like to start our blog-role with the following three questions:

  1. What is our own practice in science 2.0?

  2. What is science 2.0; how can it be defined?

  3. What could be the future scope of our activities and interests around science 2.0?

1. What is our own practice in science 2.0?

The question for the individual practice in doing science 2.0 is not rhetoric or a marketing issue. It is as much an intent to give some empirical evidence as it is a prove to show seriousness and the authenticity of the cultural habit linked to this professional attitude. At the same time, the practice case is used to exemplify traditional critiques toward both science 1.0 and 2.0 models.

Not only at universities of applied sciences, one of the main drivers for science 2.0 is “learn more and learn faster”. In a collaborative writing project of the author, which is ongoing right now, we practice a process more or less as shown in the following drawing:

generic science 2.0 writing process

generic science 2.0 writing process


Turkish, British and German colleagues are collaboratively writing an article on mobile learning, based on researches in the three countries represented in the research and publication process. First ideas spread by google+ and blog-discussions, are being intensified in occasional video-conference-meetings. The empirical research process in this case is done with respect to the academic entities of the authors plus desk research in the English and German speaking literature. The empirical national research is done individually, whereas the desk research is done highly collaboratively as papers, comments and first drafts of text are shared immediately.

In this case, the paper will be published to the scientific community of the authors to gather critiques and comments. Another form of publication is planned in a conventional printed medium. As soon as these are online, all colleagues will start spreading the digital offprint to their scientific and web 2.0-communities.

Of course this process has many other possible forms and phases and can be achieved with a large variety of tools, not exhaustingly indicated in my sketch.

An often heard critique towards traditional research media is that they are slow in production and publication, but also university staff is said to be slow in adopting web 2.0-tools and especially scientists reluctant in accepting 2.0 culture.(s. wikipedia) This might be true in some cases; however, not in the surroundings of the author, which tend to be quite technology-friendly.

Another aspect and in fact advantage of being published in a 1.0-journal is the marketing of the research that (hopefully) is done by the print journal or its editor, respectively. The English Wikipedia correctly argues that journal publications accredit researchers with an emotional pay back. Citation (and assignation of time of publication) is another concrete advantage of being published in a journal.

On the other hand classical value creation process in science business is dominated by a few editors of (ranked) journals and some publishing houses. The papers that the journals are composed of have been written on the expense of researchers life time, tax paid universities staff and infrastructures – and at the end of the publicly funded research process the publishers sell the results back to the same universities often for many thousands of dollars a year.

The quality insuring function is another endemic argument in this dispute. When the afore mentioned colleagues will have written their paper – who will then guarantee that numbers and figures are right and quotations correctly made and so on?

A research for a customer of the author’s department at the ZHAW in 2009 was about important influencers in e-learning and influential prognosis of future trends in e-learning. We found that blog-sites are of increasing importance for the research field and start to be as important as traditional printed journals – at least in this area dealing with innovations and technologies. But if blog-sites are gaining importance for scientific dialogue and, hence, are perceived and marketed seriously by the research community, it seems unlikely to the author that researchers will take the risk of publishing online “less reliably” than in printed journals. Just the contrary seems convincing as speed and width of online publication tend to be much higher than in most printed research journals.

A last argument is that only the printed source allows for a trustworthy quotation which is the ultimate motivation and pay-off of a researcher. The citation itself, however, has long been replaced by a mere hyperlink, but possibly it is less reliable for a citation index to count the web-based sources that quote an author on the basis of hyperlinks than on (a determined number of) printed sources. On the other hand metrics of scientific and personal reputation are much more transparently and comprehensively done with social media tools than by traditional citation indices. Another question for debate, however, will be, in how far scientists really do want their “scientific Klout scores” and the like to be a new basis for rating their scientific activity and reputation.

1.1 2. What is science 2.0 and how can it be defined?

In our group the definition of science 2.0 was not easily found and also not undisputed (in fact the discussion is ongoing). The English Wikipedia informs us that

Science 2.0 is a somewhat controversial umbrella term, not precisely defined, which describes a range of activities, described by proponents of the term as coalescing into an emerging open science movement. The term suggests the benefit of increased collaboration between scientists, often digitally based, using computer networking and the Internet. To do Science 2.0, scientists use wikis, blogs, video journals, and other collaborative web technologies to share findings, which may include raw data and “nascent theories” online. The sense of the term suggests the benefits of openness and sharing, regarding papers and research ideas and partial solutions.“

On the web 2.0-side of the phenomenon, we learn that the following three aspects form essential criteria: collaboration, information, and the management of relationships (Ebersbach et al. 2.2011: 39ff). Baumgartner (2006) adds that the striking aspect of “collaboration” and “management of relationships” in social media is that now the subject matter forms the basis on which new relationships (i.e. in our case research partnerships) are formed. For scientists, this is not a new model – but web 2.0 gives a new scope to the possible width of social networks.

Possibly more important for defining a new phase in scientific history, indicated by the “2.0-badge”, is another aspect, namely an epistemological implication. Science 2.0 may combine hypothesis-based inquiries with social scientific methods; i.e. the operational empirical process is at the same time directly influencing on the subjects (and realities) being researched.(S. Wikipedia on Shneiderman) Whereas the constructivist view of research producing its own reality is not at all new (e.g. for cultural anthropologists), the co-creation of the research hypothesis by the research subjects is!

A last but important impact of web 2.0 on science comes from the economic and sociological side. Web 2.0 introduces post modern modes of production to science or at least contributes to make them more feasible and more easily adaptable. German Universities are a good example: jobs being offered to scientific staff are normally temporary, part time – and underpaid. Assistant researchers often get contracts that try to make sure that the academic has no right and no possibility to claim further employment by defining that work place, infrastructure and work related relations are not taken account for by the university. Web 2.0 and Open Access mean nearly complete liberty of (scientific) work concerning time and space, which becomes a boomerang in terms of employment situation and social security.

1.2 3. What could be the scope of our activities and interests around science 2.0?

From the aforesaid questions in three relevant research areas arise to my mind:

  1. Scientific practice: What are scientific practices, how are they accomplished, what are typical results and impacts of research activities “2.0” – and how have they to be assessed in comparison to “1.0-activities”? And if there were a positive effect: How can scientist be informed about and convinced of this productivity booster, and how can scientific processes best be realised and / or optimized under web 2.0-circumstances?

  2. Scientific theory: Is the age of technological productivity, initiated by the web 2.0, a mere productivity factor for scientists, or does it really have implications on methodology and episteme, and where could these reliably be shown?

  1. Sociology of science: What is the concrete social and economic practice of researchers 2.0? How have / will web 2.0-processes change their profession, their role models, their social lives and biographies, their typical ways of production and symbolic change. Will there be a shift of scientific values towards more openness and a stronger reluctance to a capitalist exploitation of scientific work due to the mass democratization of communication and scientific productivity tools – or will the web 2.0 model be the basis for an even deeper and accelerated exploitation process of (young) academics (or the two at the same time)?

A critique of the Wired Magazine towards the concept of science 2.0 was whether or not it should be called science 2.0 – or simply science (s. wikipedia). The point is right: “science 2.0” becomes merely “science” as soon as the whole context around scientists and universities is 2.0. In that case, as a matter of fact, it would not make any more sense to differentiate science 2.0 from science 1.0. However, to the author it seems to take quite a while until we will have reached this stage.

1.3 References

[Allgemein]